Maurice

Frühling 2002
bis 10.02.2010
in Treis-Karden

 

 

Maurice hatte keinen warmen Schlafplatz in dem Dorf, in dem er lebte. Zur Verfügung stand ihm bloß eine kleine Scheune. Auch im kältesten Winter musste er raus, um nach Futter zu suchen. Er tingelte von Bauernhof zu Bauernhof auf der Suche nach etwas Fressbarem. Auf den Bauernhöfen bekam er allenfalls Essensreste. Große Probleme hatte Maurice im Winter mit der kalten Luft, die seinen Atemwegen sehr zu schaffen machte. Sein Fell sah sehr struppig und schütter aus und wir brachten ihn im Mai 2008 zur Behandlung zur Tierärztin. Danach ging es ihm für einige Monate besser, bevor sein Zustand sich wieder verschlechterte. Maurice zeigte deutlich, dass er ins Haus ins Warme möchte aber auf keinem Hof hatte man Erbarmen mit ihm gehabt. Die Türen wurden vor ihm geschlossen und er musste in der Kälte bleiben. Da wir viele Katzen haben, konnten wir ihn nicht aufnehmen und so haben wir ihn gefüttert, ihm einen kleinen Platz mit Styropor ausgelegt und ihm ab und an Medikamente gegeben. Wieder überstand er einen Winter und es verging ein weiteres Jahr, indem wir auch nach einem Zuhause für ihn suchten. Nach einiger Zeit verlor er auch seine Scheu vor uns.
Dann kam der Dezember 2009, wir suchten noch intensiver nach einem Zuhause für Maurice und dann wurde es so schrecklich kalt. Manchmal war Maurice mehrmals bei uns an der Tür. Offensichtlich bekam er jetzt bei den Bauern gar nichts mehr zu essen. Da ging man doch bei der Kälte lieber nicht raus, egal ob der arme Kater hungerte und fror.

Es hatte geschneit und Maurice saß auf dem Styropor und wartete auf Futter. Nachdem er es verspeist hatte, kam er sogar in den Flur. Am liebsten würde er sicher drin sein, er ließ sich auch anfassen, strich um unsere Beine, denn er hatte inzwischen begriffen, dass er vor uns keine Angst haben musste.

Wir wussten, dass es schwer sein würde, so einen schwarzen Kerl unterzubringen. Wir hatten auch bei mehreren Tierschutzvereinen angefragt. Leider waren diese selber überbelegt und schließlich fütterten wir den Kater und kümmerten uns um ihn. Dann meldete sich eine Dame, die den Maurice zu sich nehmen würde. Anfang Januar 2010 hatten wir den Maurice dann eingefangen, vorher hatte er sich noch ein letztes Mal auf einem warmen Holzstapel gesonnt. Wir sind mit ihm zu der Dame gefahren aber dann lief alles ganz anders... Durch ein Missverständnis bzgl. der Uhrzeit verfehlten wir uns und nachdem einige Zeit vergangen war, sind wir mit Maurice zu meiner Bekannten zum Katzenschutzverein gefahren.  
Es ging Maurice soweit ganz gut und er musste nicht mehr im Kalten sein. Er bekam ein Zimmer für sich mit vielen Kissen und Nestchen. Trotzdem jammerte er und sah uns so seltsam fragend an. Sein Blick war so eindringlich und Maurice tat mir sehr leid. Er lief etwas herum, schnupperte kurz, jammerte wieder. Wir redeten ihm beruhigend zu. Bei all der Aufregung hatte ich leider vergessen, das Säckchen mit Katzenminze und Baldrian, welches ich für Maurice gepackt hatte, dazulassen.

Am nächsten Tag sollte die Dame dann kommen, um Maurice zu sich zu holen. Leider klappte es nicht, Maurice einzufangen und er hatte sich auch sehr aufgeregt. Seine Atemgeräusche schienen leider auch schlimmer geworden zu sein. Da Maurice sich nicht einfangen ließ und auch die Erkrankung zu arg schien, sollte er beim Katzenschutzverein bleiben.

Maurice Rachenerkrankung schien dann zunächst besser zu werden, auch wurde er homöopathisch behandelt. Er ließ sich am Kopf und über den Rücken streicheln. In seinem Kissen oben im Regal fühlte er sich sicher und geborgen und schnurrte auch. Dann wurde er etwas lebhafter und fauchte manchmal. Dabei konnte man sehen, dass er in seinem Rachen ein Zungengeschwür hatte. Er bekam Medikamente aber Anfang Februar kam dann die Nachricht, dass es Maurice trotzdem schlechter ging und so wurde ein Termin bei der Tierärztin gemacht. 
Maurice wurde am 10.02.2010 von der Tierärztin untersucht, es ging ihm schlechter, als es zunächst schien. Der Leukose-Test war negativ aber FIV leider positiv. Alles im Rachen war entzündet, dann die schwere rasselnde Atmung, die erneute Schleimbildung im Maul und dann hatte er auch noch etwas am Rücken, da war ein Nerv eingeklemmt. Das war alles schon so weit fortgeschritten, dass er laut Tierärztin bald keine Nahrung mehr aufnehmen könnte und sich sein Zustand durch FIV (Katzenaids) rapide verschlechtern würde, er bald sterben müsste. Besonders schlimm war ein Zungengeschwür, welches die Zunge schon ziemlich zerfressen hatte. Die Befunde waren derart negativ, dass als Ausweg leider nur blieb, Maurice einzuschläfern.

Der arme Maurice ist an diesem Vormittag über die Regenbogenbrücke gegangen...

Wir hatten so für ihn gehofft, dass er noch eine Weile unbeschwert leben darf. Er hätte es doch verdient gehabt nach seinem beschwerlichen Leben und nun musste er von uns gehen. Wir sind sehr traurig. Maurice wäre dieses Jahr vermutlich 8 Jahre alt geworden. Traurig ist auch die Tatsache, dass niemand hier im Dorf Maurice vermisste, niemand nach ihm fragte, niemandem auffiel, dass er nicht mehr da war.

Maurice hatte zumindest die letzten 5 Wochen einen warmen Platz und wurde rundum von Doris, die ihn sehr lieb gewonnen hatte, versorgt.

Vielleicht wäre er - trotz unserer Fütterung und trotz Scheune - in diesem kalten Winter draußen schon früher gestorben. Vielleicht hätte er auch noch etwas länger gelebt aber dann sicher unter sehr schmerzhaften Bedingungen. Wir wissen es nicht...

Tschüss Maurice und alles Liebe für Dich auf Deinem Weg über den Regenbogen.

Wir haben Dich lieb und unsere Gedanken sind bei Dir.

Beate und Andreas 

 

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