Tommy's Geschichte

Das Ende

Im Januar 2005 fing Tommy an, nach dem Toilettengang mit seinem Hintern über den Teppich zu rutschen. Beim Nachschauen konnten wir allerdings nichts entdecken. Auch musste er sich öfters übergeben, aber da er das auch früher schon ab und zu tat, ahnten wir nichts schlimmes. Vielleicht überfressen oder einfach Loswerden der Haare. Am 05. Februar erwischte mich dann eine heftige Grippe und ich war krank zu Hause. Tommy erbrach sich jetzt ständig nach dem Fressen und auch das Rumrutschen wurde schlimmer. Ansonsten verhielt er sich ganz normal. Fraß, trank und kuschelte mit mir. Nur das mir auffiel, dass er auf dem Klo saß und einfach nicht konnte. Am Mittwoch, den 09. Februar ging es mir zwar noch immer schlecht, aber ich konnte das nicht mehr mit ansehen und wir sind nachmittags mit ihm zum Tierarzt. Er wurde geröntgt und während wir in dem Behandlungszimmer auf die Bilder warteten war immer noch alles gut. Er schnurrte und kuschelte mich an, war total fit. Dann kam der Tierarzt mit den Röntgenbildern und ich war total geschockt. Sein ganzer Darm war verstopft! Dieser Anblick war so grauenhaft, ich konnte gar nichts sagen. Und Tommy saß schnurrend auf dem Boden und guckte mich mit großen Augen an. Der Tierarzt meinte, die Lage ist lebensbedrohlich. Er wird versuchen, es mit Spülungen rauszubekommen. Es kann aber sein, dass er danach ein Pflegefall wird. Mir war das egal, Hauptsache er überlebt das und wird wieder gesund! Wir mussten ihn dann dort lassen und im Auto kamen mir schon die Tränen. Als der Tierarzt ihn weggetragen hat, hat Tommy sich noch mal zu mir umgedreht und mich mit großen Augen angeschaut. Am liebsten hätte ich ihn einfach wieder mitgenommen, aber das ging nicht, sonst wäre sein Darm geplatzt. Mir ging es so schlecht. Ich hatte solche Angst um ihn und konnte die ganze Nacht nicht schlafen.

Gleich am nächsten Tag riefen wir beim Tierarzt an. Er meinte, der größte Teil ist bereits raus, aber Tommy sei sehr geschwächt und hängt jetzt am Tropf. Ein kleines bisschen Hoffnung keimte auf, aber die Angst ließ sich nicht vertreiben. Ich überlegte erst, ob ich zu ihm fahren sollte, aber ich wollte ihn nicht noch einmal dort allein zurücklassen und ich hätte ja dort nicht übernachten können. Also noch eine Nacht ohne Schlaf und mit dieser riesigen Angst um ihn. 

Am Freitag morgen riefen wir gleich wieder beim Arzt an. Er meinte, dass der Darm einfach nicht wieder anfangen will zu arbeiten, wir sollten nachmittags noch mal anrufen. Um 13 Uhr rief dann der Tierarzt an. Er sagte mir, dass sie eine Not-OP machen mussten. Es war keine Rettung mehr möglich und sie schläferten ihn während der OP ein. Ich konnte gar nichts mehr sagen und als der Arzt fragte, ob ich noch dran sei, fragte ich ihn, ob ich ihn wenigstens noch einmal sehen kann. Wir sollten um 15 Uhr in die Praxis kommen. Nachdem ich aufgelegt hatte, realisierte ich erst die Nachricht und sie traf mich wie ein Schlag. Ich konnte nur noch schreien und heulen. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Es tat so weh, ich wollte es einfach nicht wahr haben, dass konnte doch alles nur ein böser Traum sein! Als wir um 15 Uhr zum Tierarzt fuhren waren die Tränen noch immer nicht versiegt. Wir standen im Behandlungszimmer und der Tierarzt holte Tommy. Er lag in einem Karton, ganz friedlich, als würde er einfach nur schlafen. Der Tierarzt meinte dann, dass Tommy einen Gendefekt hatte. Sein Darm war viel zu dick für eine Katze, es sei schon ein Wunder, dass er damit überhaupt so lange leben konnte. Auch, dass selbst wenn sie ihn dieses Mal noch hätten retten können, er spätestens im Sommer verstorben wäre. Dann ging er raus und ließ uns mit ihm allein. Eine halbe Stunde nahmen wir Abschied von ihm. Es war für mich einfach unvorstellbar, dass er jetzt nicht mehr aufwachen würde, dass ich ihn nicht wieder mit nach Hause nehmen könnte und dass wir nie wieder kuscheln könnten! Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es auch Tierkrematorien gibt und leider hatte ich auch keinen Garten, wo ich ihn hätte beerdigen können. So musste ich ihn, so schwer es mir auch fiel, beim Tierarzt lassen. Den ganzen restlichen Tag habe ich nur geweint. Meine Augen waren schon total verquollen, aber ich konnte einfach nicht aufhören. Der Gedanke, dass er noch immer dort beim Tierarzt in dem Karton lag, brach mir das Herz! Und es machte mich fast wahnsinnig, dass ich mich nicht von ihm verabschieden konnte, als er noch lebte. Warum hatte mich der Tierarzt nicht früher angerufen? Warum hatte er mir nicht von den Tierkrematorien erzählt? Warum musste das alles überhaupt passieren? Warum nimmt diese schöne Geschichte ein so frühes und schreckliches Ende?

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